Die Müllabfuhr deines Gehirns

Die Müllabfuhr deines Gehirns

Wo gehobelt wird, fallen Späne. In der Werkstatt, im Haushalt, überall wo gearbeitet wird, fällt Müll an, der entsorgt werden muss. Dafür haben wir die Müllabfuhr.

Müll im Körper

 

Auch unser Körper arbeitet jeden Tag, und alles, was er nicht noch irgendwie verarbeiten kann, wird vom Lymphsystem über die Blutbahn zu Leber und Nieren transportiert und dort abgebaut bzw. ausgeschieden. Das ist die Müllabfuhr des Körpers.

Müll im Gehirn

 

Bei der täglichen Arbeit unserer Gehirnzellen entsteht ebenfalls Abfall, in Form von Proteinresten und dergleichen, und zwar ungefähr 7 Gramm. Das sind im Jahr immerhin an die 2,5 kg! Allerdings hat das Gehirn kein Lymphsystem. Wie also wird dort der Müll entsorgt? Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Wissenschaft dies herausgefunden hat. Erst seit 2012 ist bekannt, dass unser Gehirn sozusagen gewaschen wird. 

Die Müllabfuhr arbeitet nachts

 

Die Arterien im Gehirn sind von speziellen Immunzellen umgeben, die wiederum zahlreiche Wasserkanäle enthalten. Vor allem nachts schleusen diese Kanäle (Aquaporine) Wasser in die Zwischenräume der Nervenzellen, so dass alle Protein- und sonstigen Reste zu den Venen gespült und von dort über die Lymphgefäße der äußeren Hirnhaut abgeleitet werden.

Während wir schlafen, ziehen sich unsere Nervenzellen außerdem noch ordentlich zusammen, wodurch sich die Zellzwischenräume vergrößern und so die Durchspülung noch besser funktioniert. Das ist genial, oder? Einige tiefe Hirnregionen werden ausschließlich im Schlaf durchspült und gereinigt.

 

Schlafratgeber

Wenn die Müllabfuhr streikt

 

Funktioniert diese Müllabfuhr nicht, kommt es zu Proteinablagerungen im Gehirn, die die Arbeit der Nervenzellen beeinträchtigen und sogar Zellen absterben lassen. 

Wenn wir nun eine Nacht durchgefeiert oder auch durchgearbeitet haben, sammelt sich tatsächlich bereits Proteinmüll an in dem Teil des Gehirns, der für unser Gedächtnis zuständig ist. Von ein oder zwei schlaflosen Nächten erholen wir uns zum Glück wieder ganz gut. Anders sieht es allerdings aus, wenn wir regelmäßig bzw. dauerhaft extrem wenig Schlaf bekommen. Selbst wenn wir zum Ausgleich am Wochenende ausschlafen, ist es sehr fraglich, ob diese Zeit ausreicht, die unter der ganzen Woche angesammelten Nervenzellenabfälle vollkommen zu entsorgen. 

Das kann teuer werden

 

Es soll ja Menschen in unserer Leistungsgesellschaft geben, die sich damit brüsten, mit super wenig Schlaf auszukommen. Das ist aber, nach den heutigen Kenntnissen der Wissenschaft, weder beeindruckend noch erstrebens- oder nachahmenswert. Möglicherweise bekommen diese Menschen die Quittung für ihren Lebensstil Jahre später. Denn es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass dauerhaft zu wenig Schlaf mit der erhöhten Ablagerung eines bestimmten Proteins einhergeht, welches im Zusammenhang mit der Krankheit Alzheimer steht. 

Das ist schlauer

 

Wir sollten daher tunlichst darauf achten, ausreichend zu schlafen, damit unser Gehirn den täglichen Müll, der bei der Arbeit unserer Gehirnzellen abfällt, loswerden kann. 

Also: Viel schlafen ist schlauer! Denn „ein sauber gekehrtes Oberstübchen denkt schneller, effizienter und hält länger!“.

Das alles und noch viel mehr sagt Biologe und Schlafforscher Albrecht Vorster in seinem Buch „Warum wir schlafen“.

 

Viele Grüße